All sparks will burn out in the end
Editors – All Sparks
Simons Pullover beruhigte mich und gegen zehn Uhr früh konnte ich endlich schlafen. Ich fing wieder an den Momenten Namen zu geben und die Tage nach meinem Befinden einzuteilen, um die Nervosität abzuhalten. Es beschäftigte mich sehr, kostete Zeit und Konzentration, ich schlief deshalb wenig oder gar nicht. Die halbe Nacht hatte ich vor dem Fenster gestanden, immer mal wieder, und in den Hof gesehen dazwischen war ich im Zimmer auf- und abgelaufen, von der Tür zum Bett zur Tür, bis meine nackten Füße vor Kälte ganz blau geworden waren. Manchmal schläft man schlecht, wenn die ganze Nacht ein Licht durchs Fenster fällt und am Morgen die Sonne draußen scheint wie durch Plexiglas, zäh und angedickt mit irgendwas, das einem Angst macht, ohne dass man es benennen könnte. Um diese Jahreszeit kriegen wir kriegen nicht mehr genug echtes Licht zusammen, um über den Tag zu kommen und daran liegt es wohl auch, dass Simon weggegangen ist. Zumindest tröste ich mich mit diesem Gedanken.
Mai. Wonnemonat Mai. Wir warfen uns Dummheiten um die Ohren, liefen die Straße bis ans Ende, dann runter nach rechts zum Kanal und sprachen davon, dass jeder seine eigene Realität im Kopf hat. Bei Simon klang es immer ein wenig so, als beschwerte er sich darüber oder wäre zumindest sehr unzufrieden mit der Tatsache, dass er sich der Wirklichkeit anderer nie sicher sein konnte. „Erst wenns brennt, machst du dir Gedanken. Du bist so simpel.“ Simon hatte es mir nebenher gesagt und dabei gelächelt, wie man ein Kind anlächelt. Er hatte es wohl auch nicht so gemeint, aber ich empfand seine Worte wie einen schmerzhaften Druck auf den Ohren, der immer wieder kam, wenn ich mich daran erinnerte.