Meinung eines Gnoms
Ich wollte ja nicht, ich wusste doch gar nicht... Und wieder fehlen die Worte, die doch lindern müssten.
Rechtfertigen muss ich mich immer. Auch wenn ich nichts getan habe. Dabei bin ich nicht besonders gut darin.
Was ist denn noch in einem kleinen Gnom wie mir? Nichts, ganz richtig. Wenn man mich fragt, wie ich mich selbst sehe
,anworte ich oft, ich wüsste es nicht. Und immer wünsche ich mir es wäre so, dabei ist mir nur allzu klar was das ist: ein Gnom.
Hässlich ist er und klein. Rundlich, aber so gar nicht gemütlich. Manchmal wünschen sich Gnome wie ich, sie wären wenigstens furchteinflößend.
Aber das sind sie nicht, sondern sie sind lächerlich. Hast du schoneinmal einen Gnom gesehen? Vielleicht in der U-Bahn oder an der Kasse
im Supermarkt? Sicher hast du. Denn ich falle doch irgendwie auf, nicht wahr? In der U-Bahn hast du nicht neben mir sitzen wollen, obschon
kein einziger anderer Sitzplatz mehr frei war. Du hast die ganze Fahrt stehen müssen. Und an der Kasse im Supermarkt hast du mir Freiraum gelassen,
den ich gar nicht wollte. Nun will ich ihn, um Wesen wie dich nicht zu ängstigen, sie nicht zu verscheuchen. Und ich rede mir ein, dass ich euch
nicht leiden kann. So kommt zu meiner Abartigkeit auch noch der Gram hinzu, der sich so vortrefflich in meine Seele zu fressen versteht.
Was ein Gnom denn nun schließlich und endlich wäre wolltest du wissen? Ab und an triffst du mich und du kennst mich sogar. Grüßen oder mit mir sprechen tust
du allerdings nicht. Zumindest nicht, wenn es nicht durchaus sein muss. Manchmal fragst du dich aber, heimlich und es soll bloß niemand zu erfahren bekommen,
warum ich denn keine Freunde habe. Doch dann blätterst du einfach um oder schaust aus dem Fenster auf die Straße und jedes Mal erleichtert es dich,
dass du andere siehst. Solche wie dich. Dann geht es dir besser.
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